Diese Leitlinien wurden vonFAKT - Fördergesellschaft für angepasste Techniken -verfasst und zur Verfügung gestellt. Sie wurden gemeinsam herausgegeben vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland, MISEREOR und FAKT.

Vorwort

Kapitel 1 - Medizingerätespenden - hilfreich oder problematisch?

Kapitel 2 - Geschenkt, aber keineswegs KOSTEN-los!

Kapitel 3 - Leitlinien für Gerätespenden

Kapitel 4 - Alternativen zu Sachspenden

Anhang - Weiterführende Informationen

Impressum

 

Vorwort

Dorfgesundheitshelfer und Gesundheitszentren brauchen Krankenhäuser, an die Patientinnen und Patienten verwiesen werden können. Krankenhäuser kosten viel Geld, sie brauchen gut ausgebildetes ärztliches und Pflegepersonal - und technisches Gerät. Röntgen- und Anästhesiegeräte, Laborausrüstung und Fahrzeuge funktionieren auf Dauer nur, wenn sie richtig genutzt, gepflegt und gewartet werden.

Die Probleme mit technischer Ausrüstung sind immens und verursachen Kosten, welche die Leistungsfähigkeit von Krankenhäusern beeinträchtigen. Hier setzen technische und Wartungsdienste ein, die in verschiedenen Regionen entstehen oder ausgebaut werden. Die Dienste sind u.a. das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen kirchlichen Krankenhausträgern in Afrika und fördernden Stellen bei uns. Ohne Kooperation können die Schwierigkeiten nicht bewältigt werden. Seit fünf Jahren arbeiten die Werke Brot für die Welt, das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM), Dienste in Übersee (DÜ), das Evangelische Missionswerk (EMW), die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE) und MISEREOR als fördernde Stellen zusammen mit dem Ziel, Kosten zu senken und technische Dienste zu stärken.

Im gemeinsamen Programm zur Krankenhaustechnik liegt der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit kirchlichen Krankenhausträgern in Ghana, Kamerun, Kenia und Tansania. Die Fördergesellschaft für Angepaßte Techniken (FAKT) ist in der Zusammenarbeit technische Beratungsstelle für die fördernden Stellen und Dienste in Afrika und hat im Auftrag der kooperierenden Stellen die vorliegenden Leitlinien erarbeitet.

Die Leitlinien sind nicht nur das Ergebnis der Arbeit von Fachleuten in Technik und Management, sie sind vor allem die Frucht einer guten Zusammenarbeit zwischen katholischen und evangelischen Stellen. Mit dem Leitfaden wollen wir das deagement von Gemeinden, Partnerschaftsgruppen und Einzelpersonen unterstützen.

 

Kapitel 1 - Medizingerätespenden - hilfreich oder problematisch?

"Was hier auf den Müll wandert, wird in armen Ländern dringend gebraucht" !

Mit dieser und ähnlichen Schlagzeilen wird in Zeitungen zu Gerätespenden für Partner in Entwicklungsländern aufgerufen. Insbesondere gebrauchte Medizingeräte aus deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern sind eine beliebte Spende hiesiger Initiativgruppen an ihre Partner in Entwicklungsländern. Jedoch verwandelt nicht jedes ausrangierte Röntgdeerät das Partnerkrankenhaus in ein funktionierendes Gesundheitszentrum. Auch alte Computer oder Faxgeräte lösen nicht unbedingt administrative Probleme der Beschenkten, sondern schaffen unter Umständen sogar neue. Anhand der Hinweise, die in den vorliegenden Leitlinien enthalten sind, läßt sich in einem offenen Gespräch mit den Empfängern im Süden(1) klären, ob die eine oder andere Gerätespende wirklich sinnvoll und gewünscht ist. Wir wollen also Kirchenkreise, Solidaritätsgruppen und Gemeinden nicht entmutigen, sondern durch gezielte Informationen Fehler vermeiden helfen.

Die 3. Welt - Gerätefriedhof des Westens?

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist mehr als die Hälfte der technischen und medizinischen Geräte in Krankenhäusern und Gesundheitsstationen der Dritten Welt nicht funktionsfähig. Im Glauben, etwas Nützliches zu tun, schicken Hilfsorganisationen, Krankenhäuser und kommunale Initiativen jedes Jahr eine große Zahl technischer Geräte in Entwicklungsländer und entsorgen auf diese Weise kostdeünstig nicht mehr benötigtes Inventar. In den Gesundheitseinrichtungen in Ländern des Südens sammelt sich so eine Vielzahl von Typen und Modellen unterschiedlichster Hersteller an, die einen wirtschaftlichen Betrieb sehr schwierig macht.

Bisher gibt es in Entwicklungsländern nur wenige ausgebildete Krankenhaustechniker. Im Falle einer technischen Störung kann man von diesen nicht erwarten, daß sie mit Hunderten verschiedener Gerätetypen vertraut sind. Auch waren Investitionen in Gebäude und technische Einrichtungen, einschließlich Wartung, in den Budgets der Krankenhäuser bisher kaum berücksichtigt. Da diese auch als erstes von den Kürzungen im Gesundheitsbereich betroffen sind, hofft man auf eine neue Spende, um das defekte Gerät zu ersetzen. So vergrößert sich das technische Museum um ein weiteres Exemplar. Aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben Verantwortliche aus medizinischen Einrichtungen im Süden ebenso wie Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit gelernt, daß die Lösung technischer und organisatorischer Probleme eine wesentliche Voraussetzung für eine effiziente Gesundheitsversorgung darstellt.

Erst miteinander reden, dann spenden

Viele Spender kennen die Bedürfnisse und Arbeitsbedingungen im Empfängerland nicht genau. Sie haben ein bestimmtes Gerät zur Verfügung gestellt bekommen, das sie einem guten Zweck zuführen wollen. Die Empfänger im Süden dagegen trauen sich aus Rücksichtnahme häufig nicht, passende Geräte anzufordern und unerwünschte Spenden gegebenenfalls abzulehnen. Mangelnde Vorabklärungen tragen dazu bei, solche Mißverständnisse zu verstärken. Häufig werden die Gesundheitsbehörden und die gültigen Bestimmungen im Empfängerland nicht in die Überlegungen mit einbezogen. Einige Partnerschaftsinitiativen neigen dazu, "ihr" Krankenhaus isoliert zu sehen und mit technischen Geräten auszustatten, die seiner Funktion im Gesundheitssystem des Empfängerlandes nicht angemessen sind. In vielen Entwicklungsländern werden inzwischen auf Distriktebene Gesundheitspläne erarbeitet, die idealerweise auch Gerätestandards umfassen. In Absprache mit dem Krankenhaus und der Distrikt-Gesundheitsverwaltung sollten Geräte ausgewählt werden, die dem lokalen Bedarf und den finanziellen Möglichkeiten entsprechen.

Afrikanische Erfahrungen mit Gerätespenden

Der Autor des nachfolgenden Erfahrungsberichtes, Dr. Daniel Etya'alé, arbeitete 10 Jahre als Arzt und Direktor des Enongal Central Hospital in Kamerun. Seit 1994 arbeitet er im WHO-Programm zur Verhütung von Blindheit.

Das "Enongal Central Hospital" verfügt über 200 Betten und versorgt als Distriktkrankenhaus ungefähr 125.000 Menschen. Wegen seiner verhältnismäßig guten Ausstattung werden Patienten aus der gesamten Provinz überwiesen, und das Krankenhaus erreicht so eine halbe Million Menschen. Bis Mitte der 50er Jahre wurde Enongal vollständig von der Amerikanischen Presbyterianischen Mission finanziert, die das Krankenhaus Anfang des Jahrhunderts aufgebaut hatte. Heute deckt es als gemeinnützige Institution 80% seiner Kosten selbst; die restlichen 20% kommen in Form von Gerätespenden oder Zuschüssen von außen.

Das knappe Budget, mit dem Krankenhäuser wie Enongal auskommen müssen, wird in erster Linie für Gehälter, Medikamente und andere absolut notwendige Verbrauchsgüter ausgegeben. Für neue Geräte und die Wartung von Einrichtungen und Gebäuden kann nur wenig zur Seite gelegt werden. Daraus erklärt sich die totale Abhängigkeit von Spendern für alles, was - zu Recht oder zu unrecht - nicht als unabdingbar für den täglichen Krankenhausbetrieb eingeschätzt wird.

Probleme mit gespendeten Geräten

Viele Geräte in Enongal stammen aus Amerika, dem Sitz der Mission, die das Krankenhaus gegründet hat. Sie sind für eine Stromspannung von 110 Volt ausgestattet, hier in Kamerun arbeiten wir jedoch mit 220 Volt. Für jedes gespendete 110 Volt-Gerät müssen wir deshalb einen Transformator hinzukaufen. Viele Spender wissen auch nicht genau, welche Geräte der Empfänger bereits benutzt und was er noch benötigt. Es macht z.B. wenig Sinn, einen 286er PC mit 20 MB Festplatte zu spenden, wenn das Krankenhaus bereits mit modernen Computersystemen arbeitet. Es entstehen uns also Kosten (und Kopfschmerzen), die wir nicht eingeplant hatten. Die meisten Gerätespenden stammen aus zweiter Hand, und nicht wenige sind älter als zehn Jahre. Je älter die Geräte sind, desto schwerer kommt man an Ersatzteile, selbst in den Herkunftsländern. Lange Wartezeiten sind hier die Regel.

Natürlich sind nicht allein die Spender für diese Probleme verantwortlich. Viele Empfänger wissen selbst nicht genau, was sie wollen. Die Krankenhäuser geben einfach eine Liste von Geräten weiter, die sie brauchen könnten, ohne den Spendern ihre Gerätestandards mitzuteilen. Viele Krankenhausmanager müssen sich noch darüber klarwerden, daß auch ein gemeinnütziges Krankenhaus eine Mdee Geld sparen kann, wenn es einen Wartungsdienst einrichtet.

EBEN Amstrong, Leiter der Abteilung Krankenhaustechnik der Medical Institutions Manyemen / Kamerun beschreibt seine Erfahrungen in folgendem Brief:

Liebe Spender, Wohltäter und Freunde,

Ich begann meine Arbeit als Krankenhaustechniker im Jahre 1990. Inzwischen habe ich viele Erfahrungen gemacht, von denen ich Ihnen die folgende mitteilen möchte:

Großer Jubel brach aus, als wir erfuhren, daß eine unserer deutschen Partnergruppen unserem Krankenhaus einen Krankenwagen gespendet hatte. Ich war auch ganz glücklich, da wir dringend ein Fahrzeug für den Krankentransport benötigen. Sofort wurde unser Fahrer losgeschickt, das Auto vom Hafen in Douala abzuholen. Dort mußte er zunächst ungefähr 800.000 Franc CFA (ca. 2.700 DM) Zoll bezahlen.

Das eigentliche Problem begann aber damit, daß vor der Überführung nach Manyemen die Frage auftauchte: Was für einen Treibstoff braucht dieses Fahrzeug eigentlich? Der Fahrer stellte fest, daß es sich um eine Mischung aus Benzin und Öl (für Zweitakter) handelte. Angaben zum Mischungsverhältnis konnte er allerdings nicht in Erfahrung bringen, da kein Handbuch vorhanden war.

Das Fahrzeug startete gut an diesem Tag, nach 60 Kilometern Fahrt allerdings riß der Kupplungszug. Es war aussichtslos, in dieser Gegend einen neuen zu bekommen. Also behalf sich der Fahrer mit einem Fallendraht. Ein paar Kilometer weiter blieb das Auto plötzlich von alleine stehen. Es durfte eine Stunde auskühlen, bevor es wieder startete. Kurz danach riß der Gaszug. Um überhaupt noch an diesem Tag anzukommen, wurde der Krankenwagen schließlich nach Manyemen abgeschleppt.

Am nächsten Morgen staunte die Belegschaft über diesen altmodischen Krankenwagen. Er hatte eine seltsame, käferartige Form, nannte sich "BARKAS" und besaß einen Dreizylindermotor mit speziellen Zündkerzen.

Der Krankenwagen war mit einem großen roten Kreuz bemalt. Die Originalfarbe des Fahrzeugs muß armeegrün gewesen sein, jetzt war es seltsam milchweiß. Wir mußten uns mit Ersatzteilen anderer Autos behelfen, um ihn wieder flott zu machen. Leider fuhr er nicht lange. Diesmal kam er keinen steileren Hügel hoch und hatte lauter Fehlzündungen, die ein beängstigendes Geknalle verursachten. Das verhalf ihm zu einem neuen Spitznamen, "Bakassi". Dies ist eine ölreiche Grenzregion zwischen Kamerun und Nigeria, in der seit Jahren Krieg herrscht.

Nachdem wir Hunderttausende Francs CFA für Zoll und Reparaturen ausgegeben hatten, ganz abgesehen von der verschwendeten Zeit für erfolglose Reparaturen, zerlegten wir "Bakassi" schließlich in seine Einzelteile und verscherbelten ihn für 200.000 Franc CFA (ca. 670 DM) an einen Arbeiter. Sind wir denn ein Schrottplatz für alte Geräte und Autos? Oder ist das wirkliche Partnerschaft? Diesmal war es mehr eine Last für unser Krankenhaus als eine Unterstützung.

Es gibt auch positive Beispiele: Der neue Landcruiser, den uns ein Kirchenkreis durch Vermittlung eines erfahrenen Krankenhaus-Ingenieurs hat zukommen lassen, versieht seinen Dienst sowohl in der Trockenzeit als auch in der Regenzeit. Das ist echte Unterstützung, und ich möchte der Organisation herzlich dafür danken. Generell möchte ich dafür plädieren, daß jeder Partner, Wohltäter oder Freund, der medizinische Geräte oder Fahrzeuge spenden möchte, vorher eine Fachberatung in seinem Land konsultiert, die unsere Situation und Probleme kennt.

"Ein Bettler hat keine Wahl, aber ein Bettler hat die Möglichkeit, die Kosten so gering wie möglich zu halten."

Gott segne Euch,

EBEN Amstrong aus Manyemen / Kamerun

 

Kapitel 2 - Geschenkt, aber keineswegs KOSTEN-los!

Mit der Spende eines neuen Gerätes(2), das an den Bedarf und die Infrastruktur des Krankenhauses in Übersee angepaßt ist, wollen Spender die dortige Gesundheitsarbeit unterstützen. In aller Regel übernehmen die Spender zunächst die Beschaffungs- und eventuell die Transportkosten bis zum Bestimmungsland. Damit ist zwar ein großer Schritt getan, der Kostenreigen allerdings erst eröffnet. Um die gesamten Betriebskosten zu beurteilen, sollte z.B. die Frage gestellt werden: "Welche Kosten entstehen dem Krankenhaus in den nächsten 5 - 10 Jahren, um mit dem Gerät (und eventuellem Zubehör) z.B. die zu erwartenden 35.000 Röntgenaufnahmen oder 100.000 Blutuntersuchungen zu machen?" Zur Beantwortung müssen alle durch den Einsatz des Gerätes verursachten Kosten über seine gesamte Lebensdauer hinweg betrachtet werden. Diese können im Einzelfall bis zum 50-fachen des Beschaffungspreises ausmachen.

Im folgenden sollen einige, häufig anfallende, versteckte Kosten benannt werden, bei deren Betrachtung sich zeigt, daß auch ein geschenktes Gerät keineswegs umsonst betrieben werden kann:

Zoll und Transport

Nur sehr selten finanzieren Spender den unmittelbaren Kauf von Geräten bei ortsansässigen Händlern im Empfängerland. Oft gibt es diese nicht oder ihre Preise erscheinen überhöht. Da es sich somit bei den meisten Geräten um eine Einfuhr handelt, unterliegt diese generell den üblichen Zollgesetzen. Der Wert des Gerätes bestimmt die Höhe des Zolls und das gilt grundsätzlich auch für Geschenke, wenn auch in manchen Fällen vom Empfänger Ermäßigungen ausgehandelt werden. Für Fragen der Entzollung bedient sich der Empfänger meist eines Spezialisten, der seine Dienste in Rechnung stellt.

Vom Hafen oder Flughafen muß das Gerät zum Krankenhaus transportiert werden. Besonders wenn damit Transportunternehmer beauftragt werden, entstehen erhebliche Kosten.

Aufstellung und Installation

Um das Gerät sicher und sachgemäß betreiben zu können, sind in bestimmten Fällen Anpassungen an die vorhandene Infrastruktur und Installation vorzunehmen. Falls diese Arbeiten nicht vom technischen Personal des Krankenhauses ausgeführt werden können, muß eine spezialisierte private Firma hinzugezogen werden. Dadurch entstehen dem Krankenhaus Lohn- und Sachkosten.

Ausbildung der Anwender

Das Krankenhaus muß je nach Ausbildungsstand seines Personals oder Komplexität des Gerätes Schulungen veranlassen, um das Gerät sicher und sachgemäß einsetzen zu können. Diese Ausbildung kann von einer kurzen betriebsinternen Einweisung bis zur Entsendung von Mitarbeitern zu einem Spezialkurs gehen.

Für den regelmäßigen Betrieb

Bestimmte Geräte schlagen mit ihren Verbrauchsmaterialien derart zu Buche, daß die Beschaffungskosten dagegen gering anmuten. Neben der Frage nach den Kosten (z.B. pro Untersuchung) stellt sich die Frage nach der ständigen Verfügbarkeit der Verbrauchsmaterialien (z.B. Elektroden und Spezialpapier für EKG-Drucker, Reagenzien für Bestimmungen mit einem Photometer etc.). Darüber hinaus ist auch die Versorgung mit Energie und Betriebsstoffen sowie die Entsorgung von Abwasser und Abfall in die Kostenrechnung mit einzubeziehen.

Instandhaltung

Im Laufe seiner Lebensdauer muß das Gerät instandgehalten, möglicherweise sogar repariert werden, um einen bestimmungsgemäßen und sicheren Betrieb zu gewährleisten. Für den Bereich Medizintechnik werden dafür jährlich Kosten in Höhe von 5% des Beschaffungswertes geschätzt. Dadurch summieren sich die Kosten im Laufe von 10 Jahren auf die Hälfte des Anschaffungspreises.

Sonstige Aufwendungen

Weitere Kosten entstehen in Form von Entlohnung für die Bedienungsperson, für die Verwaltung und bei der Aussonderung des Gerätes.

Fazit

Sicher wäre es falsch, die Beschaffung oder Spende eines Gerätes nur im Hinblick auf die zu erwartenden Kosten zu sehen. Ebensowenig sollte man sie jedoch vernachlässigen. Dies ist eine Versuchung, der sowohl Spender als auch Empfänger häufig erliegen. Wenn der Empfänger bei der Auswahl des entsprechenden Gerätes feststellt, daß er das Gerät auch bewirtschaften oder damit sogar Einnahmen erzielen kann, so ist eine Gerätespende eine echte Unterstützung.

 

Kapitel 3 - Leitlinien für Gerätespenden

Im folgenden sind die Kriterien aufgeführt, die bei einer Spendenaktion beachtet werden sollten. Um einen konstruktiven Dialog und Entscheidungsprozeß zwischen Spender und Empfänger zu fördern, werden Empfehlungen jeweils an beide Gruppen gerichtet. Sie basieren auf den gemeinsam vom Weltkirchenrat (WCC/CMC) und FAKT entwickelten "Guidelines: Medical Equipment Donations" und sind ergänzt durch Erläuterungen und Beispiele aus der Praxis.

Kriterien für Empfänger / Betreiber / Anwender

  1. Bedarf und vorhandene Mittel
  2. Technische Abteilungen einbeziehen
  3. Mit dem Spender kommunizieren
  4. Standardisierung
  5. Begleitmaterial
  6. Beschaffung auf dem einheimischen Markt
  7. 1 - Bedarf und vorhandene Mittel

    Technische Geräte sollen nur aufgrund eines ausdrücklich vorliegenden Bedarfs angeschafft werden. Dieser ergibt sich aus der Funktion, welche die Gesundheitseinrichtung im Einzugsgebiet erfüllt. Die vorhandenen Ressourcen wie Finanzmittel, qualifiziertes Personal und die örtlichen Umgebungsbedingungen bestimmen andererseits, wie weit der Bedarf tatsächlich gedeckt werden kann.

    Zur Ausführung der nötigen präventiven, diagnostischen und kurativen Aufgaben von Basisgesundheitsdiensten ist eine Mindestausstattung an technischen Geräten und Installationen erforderlich. Die folgende Liste führt die wichtigsten Funktionsbereiche und Anlagen auf:

    • Wasserversorgung, Abwasser
    • Sanitäre Anlagen
    • Sterilisation
    • Stromversorgung
    • Kühlung, Klimatisierung
    • Wäscherei
    • Basis-Laborgeräte, z.B. Mikroskope
    • Basis-Diagnosegeräte, z.B. Blutdruckmesser
    • Chirurgische Geräte, z.B. Absaugpumpen

    Dem entgegen schätzen Ärzte, Pflege- und Verwaltungspersonal häufig die Wichtigkeit einiger technisch aufwendiger Medizingeräte (z.B. Röntgdeeräte, EKG, Ultraschall) höher ein. Tatsache ist jedoch, daß ein Distriktkrankenhaus auch ohne Ultraschallgerät ganz gut funktionieren kann, aber kaum ohne Wasser. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage in vielen Ländern müssen die Ansprüche an Medizintechnologie neu überdacht werden.Bei der Einführung von Geräten und Anlagen, die zunehmend komplexer werden, entstehen wachsende Abhängigkeiten:

    • Wird die Institution abhängig von bestimmten Personen (Experten, die das Gerät betreiben oder instandhalten)?
    • Wächst die Abhängigkeit von Lieferanten und bestimmten Nachschubwegen für Verbrauchsmaterial? Weiterhin stellen sich beim Einsatz neuer Geräte folgende Fragen:
    • Wandert ärztliches Personal aus schlechter versorgten Krankenhäusern ab?
    • Verändert sich die medizinische Versorgungsstruktur einer Region durch die Inselwirkung der besser ausgestatteten Krankenhäuser?
    • Verkümmern traditionelle Methoden sowie alternatives medizinisches und technisches Fachwissen?
    • Wird Kapital gebunden, das evtl. für wichtigere Beschaffungen benötigt würde?

    2 - Technische Abteilungen einbeziehen

    Lokales technisches Personal und entsprechende Fachabteilungen sollten in den Auswahl- und Beschaffungsprozeß mit einbezogen werden. Als Verantwortliche für Installation, Wartung und Reparatur müssen sie frühzeitig über geplante Neuanschaffungen informiert sein und die Entscheidungsträger fachlich beraten.

    Qualifizierte Techniker kennen die lokalen logistischen und technischen Einsatzbedingungen von Geräten und Instrumenten:

    • Sie beurteilen Geräte bezüglich eines wirtschaftlichen Betriebs und der technischen Ausführung.
    • Sie ermitteln die Installationsbedingungen, wie z.B. Raumausstattung, Energie- und Wasserversorgung, Klimatisierung, Lagerung.
    • Sie beschreiben die Qualifikationsanforderungen an Betreiber und Wartungspersonal.
    • Sie ermitteln den Bedarf an Verbrauchsmitteln und Ersatzteilen.

    3 - Mit dem Spender kommunizieren

    Empfänger und Betreiber technischer Geräte sollten den Bedarf eindeutig formulieren und dies dem Spender mitteilen. Dabei vermeidet eine klare Beschaffungspolitik des Empfängers Irritationen und langfristige materielle Nachteile. Bei unnötigen oder unverlangt eingegangenen Spenden sollte die Partnerorganisation entsprechend informiert werden.

    Eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung im Empfängerland durch Sachspenden kann erreicht werden, wenn Spender und Empfänger als Partner auftreten. Von dem Recht, "Nein, Danke" sagen zu können, sollte Gebrauch gemacht und dies akzeptiert werden. Beispielhaft hat die Presbyterianische Kirche in Ghana als Träger zahlreicher Gesundheitseinrichtungen dringend an ihre Partner appelliert, Medizingeräte nur nach vorheriger Absprache und Zustimmung durch den kircheneigenen Wartungsdienst (HTU) nach Ghana zu senden.

    4 - Standardisierung

    Das Typenspektrum der eingesetzten Geräte und Anlagen sollte vereinheitlicht werden. Institutionelle oder nationale Geräte-Standardlisten führen Modelle auf, die sich unter den lokalen Bedingungen leicht installieren, betreiben und warten lassen. Dadurch können Bedienungsfehler vermieden und Instandhaltungsarbeiten zuverlässiger ausgeführt werden. Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile werden vor Ort gelagert und sind kostdeünstig verfügbar.

    In einigen Ländern haben technische Wartungsdienste und Träger von Gesundheitseinrichtungen sog. "Standard-Gerätelisten" zusammdeestellt. Diese können sehr allgemeine Beschreibungen der Geräte enthalten, in einigen Fällen werden aber auch konkrete Herstellerangaben gemacht. In jedem Fall ist es sinnvoll, auf institutioneller oder auf Distrikt-Ebene eine größtmögliche Typen-Vereinheitlichung zu erreichen. Die Erfahrung zeigt, daß in vielen Ländern die zu große Typenvielfalt der Geräte zu einer rapide abnehmenden Wartungs- und Bedienerfreundlichkeit führt. Dies reduziert gleichzeitig die Bereitschaft lokaler Firmen, überhaupt Instandhaltungskapazitäten und Ersatzteile bereitzuhalten.

    Folgende Fragen können bei einer Spezifizierung von Geräten überprüft werden:

    • Ist das Gerät bedienungsfreundlich gebaut?
    • Ist es solide konstruiert?
    • Ist es anfällig gegenüber widrigen Umgebungseinflüssen?
    • Ist es energiesparend zu betreiben?
    • Ist das Gerät übertechnisiert? Wieviele der Leistungsmerkmale des Gerätes werden überhaupt nicht benötigt bzw. können nicht eingesetzt werden?
    • Gibt es auch noch in 5 Jahren Ersatzteile und wer liefert sie?

    5 - Begleitmaterial

    Bei allen Geräten und Anlagen muß ein kompletter Satz technischer Dokumente und ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien mitgeliefert werden. Neuen und überholten Geräten müssen zusätzlich die verbindliche Garantieerklärung und die entsprechenden Bedingungen beigelegt sein.

    Technische Dokumente umfassen die Bedienungsanleitung sowie Unterlagen zur Installation, Inbetriebnahme und Wartung. Die Sprache der Dokumente muß ausdrücklich erwähnt werden. In jedem Fall sollte zumindest eine international verbreitete und lokal angewandte Sprache (z.B. delisch, Französisch, Spanisch oder Portugiesisch) verwendet werden. Deutsche Betriebsanleitungen erfüllen ihren Zweck nicht! Die erforderlichen Materialien (auch Kleinteile) für eine problemlose und sichere Installation sowie Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien sollten von Fachleuten bestimmt werden. Art und Anzahl hängen sehr stark vom Einsatz des Gerätes und den örtlichen Bedingungen ab. Manche Ersatzteile und Verbrauchsmittel haben eine begrenzte Haltbarkeit und sind daher gerade unter besonderen klimatischen Bedingungen nur eingeschränkt lagerfähig.

    6 - Beschaffung auf dem einheimischen Markt

    Lokal erhältliche Geräte und technisches Know-how vermindern die Abhängigkeit von Direktimporten und fördern den Aufbau eigener Strukturen für Beschaffung und Instandhaltung.

    Die Schere zwischen der Technologieentwicklung in Industrieländern und den wirtschaftlichen und logistischen Möglichkeiten in Entwicklungsländern läuft immer weiter auseinander. Verstärkt wird diese Tendenz durch den geringen Marktanteil der Entwicklungsländer, der bei der Geräteentwicklung eine Berücksichtigung ihrer Belange nahezu ausschließt.

    Um dem entgegenzuwirken, gibt es Anstrdeungen, lokal verbreitete Ressourcen und Technologien einzusetzen (z.B. Konstruktion sog. "angepaßter" oder "low cost" Geräte). Mit Erfolg geschieht dies im Bereich medizinischer Hilfsmittel (z.B. Gehhilfen) und Möbel (z.B. Krankenhausbetten). Für die Akzeptanz solcher Geräte spielen nicht nur rein technische Aspekte eine Rolle. Sie müssen von guter Qualität sein, sich unter den örtlichen Bedingungen praktisch anwenden lassen und in die ortsübliche Arbeitsorganisation passen. Manche Geräte kommen jedoch nicht über den Stand von Prototypen hinaus (z.B. Solarsterilisatoren), da sie diese Kriterien nicht erfüllen.

Kriterien für Spender / Lieferanten

  1. Mit dem Betreiber kommunizieren
  2. Nur funktionsfähige Geräte
  3. Komplette Dokumentation
  4. Verbrauchsmittel und Ersatzteile mitliefern
  5. Sichere Verpackung und Versandart
  6. Technische Unterstützung
  7. Gesetze und Regelungen des Empfängerlandes
  8. Mit dem Betreiber kommunizieren

    Geräte und Anlagen dürfen nicht ohne die vorherige Zustimmung des Empfängers verschickt werden. Besteht Bedarf für ein bestimmtes Gerät seitens des Empfängers, sollte von diesem zunächst eine umfassende Beschreibung des gewünschten Gerätes angefordert werden (einschließlich einer Liste des Begleitmaterials). Der Spender sollte eindeutig mitteilen, wenn er die Anforderungen des Empfängers nicht erfüllen will oder kann.

    Gerätelieferungen müssen den lokalen Bedingungen entsprechen. Dazu ist es erforderlich, sich an eine evtl. vorhandene Standard-Geräteliste zu halten oder sonstige länderspezifische Rahmenbedingungen zu beachten. Informationen über alle entstehenden laufenden Kosten und über die Anforderungen an Benutzer- und Wartungspersonal sollten dem E